Die Ausbildung




 ..vom Spiel zum Ernst  Die Grundregeln  Verhalten ist auch Lernen

Vom Spiel zum Ernst des Lebens

Schäferhund beim Sprung über die HürdeBeschäftigung ist für den Deutschen Schäferhund unverzichtbar für die artgerechte Haltung. Wenn Sie ein echter Freund Ihres Hundes werden wollen, erfordert dies neben dem Aufbau eines stabilen Vertrauensverhältnisses die feste Einbeziehung des Hundes in die häusliche Gemeinschaft.

Erziehung bedeutet geduldiges, planmäßiges, aber auch konsequentes und vorbedachtes Einwirken auf den Hund. Die wichtigsten Grundübungen für die Erziehung des Schäferhundes sind:

Nach dem Säugen beginnt für die Welpen die wichtige Prägephase. Alle Vorgänge werden jetzt mit erhöhter Aufmerksamkeit verfolgt, Neugierde und Lernbereitschaft sind besonders intensiv. Zu diesem Zeitpunkt ist die tägliche Beschäftigung auf Spielen und Raufen ausgerichtet, setzt dem jungen Hund aber auch schon erste Grenzen. Lernen wird so mit Freude, viel Liebe und überschwänglichem Lob verbunden. Zwang steht zunächst absolut im Hintergrund und sollte (wenn überhaupt) wohl dosiert und überlegt eingesetzt werden. Deutsche Schäferhunde sind an sich ausgesprochen lernbegierig, wenn man es versteht, sich ihnen verständlich zu machen.


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Die Grundregeln der Erziehung

Frühestens mit 12 Monaten sollte die Ausbildung eines Deutschen Schäferhundes beginnen. Wir empfehlen dazu einen Erziehungskurs des SV (Augsburger Modell). Hier stehen Ihnen erfahrene Trainer zur Verfügung, die Ihnen individuell zur Hand gehen. Außerdem bekommt Ihr Hund Kontakt zu gleichaltrigen Tieren. Anfängern raten wir dringend, auch die weitere Ausbildung auf dem Übungsplatz einer der vielen Ortsgruppen des SV unter erfahrener Anleitung zu üben!

Weniger empfehlenswert ist die Ausbildung in vielen kommerziellen Hundeschulen, die oft eine Grundvoraussetzung jeder sinnvollen Hundeerziehung außer acht lassen: Ihr Hund lernt zwar bestimmte Übungen auf spezielle Kommandos hin auszuführen, aber Sie lernen nicht, wie Sie sich ihm verständlich zu machen haben!

Zur Ausbildung gehört als Einstieg die Leinenführigkeit. Der Leinenruck ersetzt die Strafhandlung, die im Hunderudel über das Schütteln am Nackenfell erfolgt. Nie darf die Leine ständig im Zug gehalten werden! Der Hund lernt dabei, an der lockeren, zugfreien Leine zu gehen. Übrigens: der Einsatz sog. "Stachelhalsbänder" ist grundsätzlich verboten!! Auch sog. Freilaufleinen mit Aufrollvorrichtung sind für Erziehungszwecke absolut ungeeignet.

Für alle Erziehungsmaßnahmen gilt der Grundsatz, dass der Hund lernen muss, sich ein- und unterzuordnen. Erwecken Sie bei ihm nie die Hoffnung, selbst Meuteführer zu werden. Neben den Hörzeichen werden zusätzlich eindeutige Sichtzeichen gegeben, die dem Hund begreiflich machen, was man von ihm will.

Bereits der Welpe wird durch Niederdrücken der Kruppe und durch gleichzeitiges Hochziehen am Halsband, verbunden mit dem Hörzeichen "Sitz" an das Hinsetzen gewöhnt. Streicheln über die Rückenpartie und loben "so ist's brav" unterstützen das richtigen Verhalten. Wenn der Hund die Grundstellung "Sitz" gut beherrscht, kann diese Übung auch aus der Bewegung heraus trainiert werden.

Kaum eine Übung hat für den praktischen Alltag einen höheren Stellenwert als die Platz-Übung, wenn man einmal von der Leinenführigkeit absieht. Bereits den Welpen kann man ganz nebenbei an das Hörzeichen "Platz" gewöhnen, indem man es immer dann anwendet, wenn er sich hinlegt. Später muss der Hund lernen, dass er sich auf das Hörzeichen "Platz" an der Stelle, wo er sich gerade befindet, hinlegt. Diese Übungen erfordern zunächst viel Geduld und Selbstbeherrschung, aber auch eine Portion Konsequenz und Durchsetzungsvermögen.

Viele Hundehalter mühen sich bei ihren Spaziergängen oft vergeblich, den einmal von der Leine befreiten Vierbeiner wieder unter Kontrolle zu bringen. Ist er endlich an der Leine, wird er für sein Fehlverhalten ausgeschimpft und dadurch ein Kardinalfehler der Hundeerziehung begangen! Ihr Hund wird die Strafe nämlich nicht auf sein Herumstreunen beziehen, sondern auf das unmittelbar vor der Strafe ausgeführte, und das war letztendlich doch das Zurückkommen. "Ablegen in Verbindung mit Herankommen" heißt dieser Übungsteil in den Prüfungsordnungen und er hat zentralen Stellenwert für die Erziehung und Ausbildung.


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Verhalten ist auch Lernen - ein Aufsatz von Steffi Hörhold

Die Ausdruckskraft unserer Hunde ist durch Lernen geprägt; auch alte Hunde sind noch in der Lage zu lernen. Unter Umständen ändern auch wir Menschen nach Lernprozessen unser Verhalten. Lernprozesse haben demnach die Wahrscheinlichkeit verändert, mit der ein bestimmtes Verhalten in einer bestimmten Situation eintrifft. Verhaltensweisen können aber auch durch biochemische Prozesse gestört sein, was eine erschwerte Funktion des Nervensystems und der normalen Bewegung zu Folge haben kann. Auch eine veränderte Motivationsphase, wie z.B. bei einer läufigen Hündin, kann das Verhalten verändern. Läufige Hündinnen vertreiben während der Hitze andere Weibchen (Rivalinnen für die Reproduktion und Welpenaufzucht) und sind nur schwer zu führen.

Schon der Welpe muss viele Informationen zur Kenntnis nehmen und für sich auswerten. Dabei sind verschiedene Phasen im Lebensalter des Hundes zu berücksichtigen. Diese Entwicklungsphasen werden auch Ontogenese genannt.

Die 1. bis 2. Lebenswoche ist die Vegetative Phase. Der Geruchssinn des Welpen ist noch nicht ausgebildet und er ist noch blind. Sie kriechen im Kreis, was vermeidet, dass sich die Tiere zu weit vom Lager entfernen.

Ende der zweiten Lebenswoche öffnen die Hundebabys die Augen und kommen mit der dritten Woche in die Übergangsphase. Obwohl die Augen geöffnet sind, können die Welpen noch nichts sehen. Die Sehfähigkeit erlangen sie erst mit dem 17. bis 18.Lebenstag. In dieser Übergangsphase zeigen die Welpen bereits Sozialkontakt, indem sie sich gegenseitig belecken. Mit dem 21. Lebenstag verlassen die Welpen ihr Lager. In einem Zuchtzwinger für Deutsche Schäferhunde, ließ sich beobachten, dass sich jetzt alle Rudelmitglieder um die Welpen kümmern. Wenn sie das Lager verließen, spielte das Vatertier (Prall) ziemlich rauh mit den Kleinen. Dies sollte den Welpen wohl verdeutlichen, welch ein rauhes Klima außerhalb des Lagers herrscht, dass u.U. sogar Gefahr drohen kann.

Sobald sich die Welpen ins Lager zurückzogen, wurde dieses rauhe Spiel eingestellt; eine wichtige erzieherische Maßnahme im Leben der Hundekinder.

In der 4. bis 7. Lebenswoche befinden sich die Welpen in der Prägephase. Sie ist entscheidend für das spätere Verhalten des Hundes und nahezu irreversibel. Jetzt sind alle Sinnesleistungen voll ausgeprägt um Artgenossen und Menschen (Umwelt) zu erkennen und sich die Objekte einzuprägen. Der Kontakt zu Artgenossen, Menschen (insbesondere auch Kinder) ist in dieser Phase sehr wichtig, damit der Hund sie später in sein Sozialverhalten mit einbezieht. Ansonsten reagiert er künftig ängstlich/aggressiv.

In der 8. bis 12.Lebenswoche, in der Sozialisierungsphase, soll der Welpe zu einem sozialen Mitglied in der Hunde-Mensch-Beziehung erzogen werden. Dazu bedarf es einer konsequenten Erziehung, denn so süß und knuffig das Hundekind auch ist, man sollte ihm nur gestatten, was man ihm auch als erwachsenes Tier gestatten würde.

Diese Konsequenz musste ich bei meinem heute 2 1/2 jährigen Rüden Carlo, der übrigens auch aus der genannten Zuchtstätte stammt, herrschen lassen. Wenn er zu grob wurde (ca. mit 12 Wochen) so habe ich als Strafe das Spiel abgebrochen und ihn einfach ignoriert. Oft war er so übermütig, daß ihm mit Spielabbruch nicht beizukommen war. Ich habe ihn dann kräftig in der Nackenfalte durchgeschüttelt. Darauf hat er sofort reagiert; das ist bis heute so geblieben!

Natürlich kann man mit einem 12wöchigen Hund kein Dressurprogramm absolvieren. Man würde den Hund damit überfordern. Im Spiel lernt der Hund am besten (ich spreche aus Erfahrung: wer anderer Meinung sein sollte, mag sich einmal über längere Zeit mit dem Leben von Wildhunden/Wölfen beschäftigen. Dort wird im Spiel die Rangordnung festgelegt und so ernsthafte Beschädigungskämpfe vermieden.). Auch unsere Haushunde versuchen in der Rangordnungsphase (13. bis 16. Lebenswoche) die Autorität ihres Herren zu testen. Es ist wichtig, dass er in dieser Lebensphase einen festen Platz in der Familie (Rudel) erhält.

Im 5. bis 6. Lebensmonat befindet sich der Junghund in der Rudelordnungsphase, in der man bereits mit der Erziehung oder leichten Ausbildungsphasen begonnen hat. Jetzt ist es wichtig, sich für seinen Vierbeiner viel Zeit zu nehmen, Spiele und Ausflüge zu machen. Dadurch erhält der Junghund viele Anreize, die seine Lernfähigkeit positiv beeinflussen, d.h. die Gehirnstrukturen bilden sich dadurch hervorragend aus, die Hirnrinde nimmt entsprechend zu. Im übrigen behalten die Hunde so ihre Motivation zum Lernen.

Im 7. Lebensmonat kommt der Hund in die Pubertät. Beim Rüden erkennt man sie daran, daß er beim Urinieren zum ersten Mal das Bein hebt. Die Hündin reagiert plötzlich aggressiv auf andere Weibchen und die erste Hitze tritt ein.

In dieser Lebensphase neigen die Hunde zum Ungehorsam und es wird sogar mitunter versucht, die Rangordnung neu abzustecken. (Wer ist der Boss, Herrchen/Frauchen oder ich, der Wauzi ... ?). Es ist wichtig, dass der Hundehalter seine Autorität bewahrt und auf keinen Fall die Nerven verliert, denn sonst hat er seinem Hund Schwächen gezeigt - den Rest mag man sich an dieser Stelle denken ... Probleme!

Wie man also sieht, registrieren die Hunde eine Vielzahl von Reizen, die ihre Motivation und den Willen etwas lernen zu wollen beeinflussen. Fehlen ihm diese Reize, wird er sich wohl kaum oder gar nicht auf unsere Erziehung und Befehle konzentrieren können.


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